aktuell         peter kraus         tour 2009         tv termine         cd / dvd         fans         kontakt    
 
biografie interview anthologie buch pressespiegel museum videos

interview

Sie stehen nun schon über ein halbes Jahrhundert im Rampenlicht. Wenn man schon so lange erfolgreich ist, was für ein Gefühl ist das? Gewöhnt man sich an den Erfolg?

Gewöhnen, das würde ich nicht sagen. Ich würde eher sagen, man wird süchtig danach; denn Gewöhnen würde ja bedeuten, dass es etwas Selbstverständliches ist, und der Erfolg ist nicht selbstverständlich. Man muss immer wieder darum kämpfen, aber das ist genau der Reiz an der Geschichte. Sie kennen ja mein Lebensmotto: ''Wer glaubt, etwas zu sein, kann nichts mehr werden.''


Foto: Manfred Esser


Stimmt es, dass Sie ursprünglich durch Ihren Vater zur Musik gekommen sind, durch seine Interpretationen von Frank-Sinatra-Klassikern?

Das ist richtig. Mein Vater hat in Wien nach dem Krieg in einer Bar für Amerikaner Standards gesungen, und die hat er am Tag einstudiert, was für ihn sehr schwierig war, denn er sprach gar kein Englisch. Und ich habe ihm immer zugehört und mitgeträllert, quasi mitgeübt. Ich kann heute noch die ganzen Texte von Bing Crosby und von Frank Sinatra auswendig.

War Ihnen also schon früh klar, dass Sie Ihr Leben der Musik widmen wollen?

Das würde ich nicht sagen, aber es hat mehr Spaß gemacht, als Hausaufgaben zu machen.

Was waren die schönsten Seiten, die schönsten Momente dieser Zeit? 

Wenn mich mein Vater, so bei gesellschaftlichen Anlässen, aufforderte, etwas zu singen und das Publikum zu applaudieren begann, das fand ich damals großartig.

Was sind die wichtigsten Lektionen, die Sie als Musiker gelernt haben?

Nur die Musik machen, die man wirklich liebt, die man mag, die man fühlt, denn ich glaube, das Publikum spürt sofort, wenn jemand Musik macht, die er eigentlich nicht so gerne hat und nicht so richtig liebt; mit der er nur in die Hitparaden kommen oder Geld verdienen will.

Bühnenschauspieler, Produzent, Darsteller, Moderator... Sie haben so viele unterschiedliche Dinge gemacht. Gibt es Sachen oder Entscheidungen, die sie bereuen?

Ja also, wenn, dann bereue ich vielleicht, dass ich mich auf so vielen Gebieten ausprobiert habe, denn ich denke manchmal: Hätte ich mich auf eine Sache voll konzentriert, wäre ich vielleicht genial geworden (lacht). So bin ich auf vielen Gebieten na, sagen wir mal, gut.

Wie denken Sie heute über Ihre ersten Plattenveröffentlichungen?

Ja, wenn wir jetzt viel Zeit hätten und ich würde alle Umstände erklären, mit denen ich damals zu kämpfen hatte, mit meiner Jugend, meiner Unerfahrenheit, mit Missgunst, mit Neid und so weiter, dann würde ich sagen: Dafür war's eigentlich ganz gut.

Wie hat es sich eigentlich angefühlt, als ''der deutsche Elvis'' bezeichnet zu werden?

Also für mich war das natürlich persönlich eine große Ehre, denn Elvis hat mich quasi inspiriert. Er war der Ideengeber, das Gleiche zu versuchen in Deutschland, wie er in Amerika. Aber der Begriff ''deutscher Elvis'' war damals keine Auszeichnung, denn auch Elvis wurde in seiner Anfangszeit als Kulturschande und als Albtraum bezeichnet.

Sie haben Rock'n'roll immer als Lebensgefühl definiert. Bezeichnen Sie sich immer noch als Rocker?

Ja. Was das Lebensgefühl betrifft, ja. Denn Rock 'n' Roll bedeutete für mich, das zu tun, wovon man träumt. Das durchzusetzen, was man unbedingt erreichen will, gegen alle Widerstände. Und in meiner Jugend war das noch sehr schwierig. Ja, und eigentlich bin ich dem treu geblieben.

''Vollgas'' hieß der Vorgänger. Ist das Ihr Lebensmotto?

Ja, ich liebe den Begriff ''Vollgas'', denn er bedeutet für mich: jetzt, jetzt, nicht auf die lange Bank schieben, loslegen, wenn man dran glaubt. Nicht hadern, zu lange nachdenken, sondern kämpfen, einfach mit vollem Einsatz.

Ihr 70. Geburtstag steht in wenigen Wochen an. Wie werden Sie den zelebrieren? Auch mit ''Vollgas''?

Also, was die Promotion für die CD angeht: die werde ich mit Vollgas angehen, denn sehen Sie, jede Kampagne braucht irgendeinen Aufhänger, und der Geburtstag kommt gerade richtig, denn ich hab nichts anderes zu bieten. Ich bin vierzig Jahre verheiratet; ich kann mich weder outen als Schläger, noch als Alkoholiker, noch als sonst was; also ich muss den Geburtstag ausnützen. Außerdem bin ich auf die Produktion sehr stolz, und ich muss es schon tun, weil ich mich bei meinem Team ganz herzlich bedanken möchte, mit welcher Kraft sie an dieser Produktion gearbeitet haben. Privat, da werde ich das Ganze ein bisschen gemütlich angehen. Ich muss mich erst daran gewöhnen, dass ich langsam älter werde.

Ist die kommende Tournee mit der SWR Big Band also eine Art Geburtstagsgeschenk, das Sie sich selbst machen?

Es ist das Geburtstagsgeschenk: Eine CD mit der SWR Big Band zu machen, mit Weltklassemusikern, mit denen auf Tournee zu gehen, das ist eine riesige Herausforderung, und genau das, was ich brauche, was ich suche, was ich will.

Haben Sie schon einmal mit der SWR Big Band gespielt?

Ja, sicherlich, ich bin im letzten Jahr bei mehreren Konzerten der Swing-Legenden (also Max Greger, Hugo Strasser und Paul Kuhn) für Paul Kuhn eingesprungen, weil er erkrankt war, und das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht und, ja, und da ist die Idee entstanden.

Mit 22 Musikern zu spielen, das muss doch ein ganz besonderes Gefühl sein, oder? Können Sie das beschreiben?

Es ist ein ganz besonderer Reiz, wenn einem ein so gewaltiger Sound nicht elektrisch verstärkt von hinten in den Rücken fegt; und wenn man sich dann umdreht und in die ambitionierten Gesichter der Musiker blickt, die einem sagen: ''Hey, heut zeigen wir's dem Publikum.'' Ja, dann gibt das eine unheimliche Kraft, und ich freu mich tierisch auf diese Tournee.

Sie haben für die kommende Tournee ''ein sehr farbenfrohes Programm'' angekündigt. Können Sie das konkretisieren? Worauf können sich die Fans freuen?

Also schon die neue CD ''Nimm dir Zeit'' ist eine sehr bunte Mischung aus alten Hits mit ganz neuen Texten, aus zeitgemäßen, neuen Songs und drei alten Hits von mir im neuen ''Outfit'', würde ich sagen. Also im neuen Arrangement. Und ich glaube, das ist geglückt, und diese Art der Mischung werden wir auf der Tournee noch intensiver ausbauen.

Was können Sie über das kommende Album berichten? Können Sie schon Titel/Coverversionen verraten, die darauf vertreten sein werden?

Ja: ''Everybody loves somebody, sometimes – Nimm dir Zeit/und lass die Welt sich drehen.'' Oder: ''Moon River, verzeih mir'', oder: ''Crazy little thing called love, ich werd' noch verrückt mit dir.'' Das sind die alten Hits, aber dann gibt es auch ziemlich freche neue Kompositionen: ''Bussi Bussi, Küsschen, Küsschen, wir haben uns so lange nicht gesehen; Bussi Bussi'' und so weiter. Und dann sind natürlich sehr einfühlsame, schöne, wie ich finde, Balladen auf dieser CD. Ich sag jetzt einfach mal: Ein Spitzenalbum.

Haben Sie die Songs wieder mit deutschen Texten aus Ihrer Feder versehen?

Ja, nur ein Text ist nicht von mir. Das ist ein Lied, das meine Mutter sehr liebte. Ich habe es als Bub mit meinem Vater immer für sie gesungen. Es heißt: (singt) ''Ich hab mich so an dich gewöhnt/Hab mich so sehr an dich gewöhnt'', und irgendein Gefühl sagte mir, ich muss das für meine Mama aufnehmen (lacht). Die anderen Texte, die stammen alle aus meiner Feder. Besser gesagt: aus meinem Laptop.

Wenn man wie Sie schon so viele Songs gesungen hat, wie schafft man es, sich immer wieder neu zu motivieren und neue Ideen zu finden?

Tja, man motiviert sich am allerbesten, wenn man das bereits veröffentlichte Material nicht so genial findet und sich sagt: ''Ich kann noch besseres machen.'' Und die neuen Ideen? Ja, also ich finde sie bei langen Autofahrten, bei Flugreisen, (lacht) im Zug... am besten, wenn man mit offenen Augen und mit offenen Ohren durch die Welt spaziert.

Was genießen Sie mehr: die Performance, den Kontakt mit den Leuten, oder aber die kreative Arbeit im Studio?

Tja, die Abwechslung und die richtige Dosierung, die macht den Beruf eigentlich spannend. Also, ich erklär's: Wenn man im Studio steht, aufnimmt, dann kann man es eigentlich nicht erwarten, bis man die Songs zum ersten Mal im Fernsehen singt. Hat man sie da gesungen, will man auf die Bühne und unmittelbar dem Publikum ins Auge sehen; und das Feedback direkt zu spüren, das gibt dann die... das ist die Erfüllung (lacht).

Wie schaffen Sie es eigentlich, dass Ihre Stimme noch immer so jung klingt?

Vielleicht, weil ich eigentlich sehr wenig singe. Sie werden sich wundern, aber ich singe z.B. nicht in der Badewanne. Ich singe im Grunde genommen nur, wenn ich übe, wenn ich im Studio bin, wenn ich etwas Neues einstudier. Ja, bei Galas und Konzerten. Und ich gehe auch nicht sehr zimperlich mit meiner Stimme um: Also Schal, nur wenn es wirklich kalt ist; ich fahre offen Auto, also ich bin nicht der Sänger, der sagt: ''(Räuspert sich) Um Gottes willen, ich muss auf meine Stimme aufpassen. In zwei Monaten habe ich ein Konzert.'' (Lacht).

Sie wurden selbst als Teenager ein Star. Verfolgen Sie heute, wie Stars gemacht werden, zum Beispiel bei ''Deutschland sucht den Superstar''?

Ja, natürlich verfolge ich das von Zeit zu Zeit, aber grundsätzlich möchte ich dazu sagen: Wer als Superstar anfängt, kann keiner werden und schon gar nicht auf Dauer. Ich finde diese Formate natürlich toll, aber ich finde auch, dass in diesen Formaten eventuelle Supertalente verheizt werden. Und das finde ich wieder schade.

Malen Sie auch noch? Und überhaupt: Was treiben Sie so, wenn Sie nicht gerade auf Tour sind oder eine neue LP aufnehmen?   

Zum Malen brauche ich sehr viel innere Ruhe, und die habe ich zurzeit überhaupt nicht. Also relaxe ich in meiner Garage beim Schrauben an Oldtimern. Und ansonsten, ja, versuche ich, das Leben zu genießen, mit meiner Frau, meiner Familie, meinem Sohn. Sport, gutes Essen (lacht), Reisen, gute Rotweine.

Ist die Schauspielerei auch noch ein Thema für Sie?

Ja, die Schauspielerei wäre ein großes Thema für mich, aber die Angebote sind nicht sehr verlockend. Meistens sind es ältere Sänger, die zwar noch fit sind. Ich glaube, Sie verstehen, was ich meine (lacht). Schauspielerei bedeutet aber für mich, sich in Rollen, in Figuren ''hineinzuleben'' und diese dann darzustellen, also nicht mich selber zu spielen. Ich werde mir vornehmen, ich kümmere mich mal um ein gutes Drehbuch.

Sie haben mal gesagt, dass Sie nie genügend Zeit für die Dinge haben, die Sie gerne machen würden. Was ist sonst noch für dieses Jahr geplant?

Ja, ich nehme mir schon Zeit, aber das Problem ist nur, ich habe einfach viel zu viele Dinge im Kopf, die ich gerne machen möchte. Also ich möchte gerne reisen; ich würde gerne durch Kuba reisen mit meiner Frau; ich möchte mit meinem Sohn Wasserski, mit meinen Freunden viele Oldtimer-Rallyes fahren; ich möchte mein Handicap verbessern, mein Golf-Handicap, und ich möchte ein sensationelles Programm für meine Fans im Oktober auf der Tournee bieten. Und zwischendurch möchte ich noch ein bisschen atmen.

Gibt es Herausforderungen, denen Sie sich in Zukunft gerne stellen möchten? Welche Wünsche und Träume haben Sie?

Also, meine größten Wünsche sind natürlich Gesundheit für mich und für meine Lieben, und beruflich: Ich muss keine Bäume mehr ausreißen. Manchmal denke ich ehrlich gesagt sogar daran, soll ich aufhören? Aber ich weiß nicht, ob ich das schaffe. Jetzt bin ich erstmal gespannt, was das Projekt ''Nimm dir Zeit'' bringt.

 
 
Vorname:
Nachname:
eMail:
 
 
  Werbung:
  Mike Kraus