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Badische Zeitung: Wie war's bei...Peter Kraus in Freiburg?

Rocklegende Peter Kraus greift bei seiner Konzerttournee im Freiburger Konzerthaus zur Halbakkustischen Gitarre. Stimmlich und körperlich ist der Altstar voll auf der Höhe meint unser Kritiker.


Peter Kraus rockt Freiburg | Foto: Oliver Rath

Der erste Eindruck: Auf der Bühne steht ein jugendlich wirkender Mann in Jeans, dem man sein wahres Alter kaum glauben mag. Peter Kraus, Star der späten fünfziger und frühern sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, ist stimmlich und körperlich voll auf der Höhe. Der Hüftschwung gelingt ihm wie zu alten Zeiten, sein Gesang kann es allemal mit vielen derzeit hoch gehandelten Singer/Songwriterinnen aufnehmen. Man versteht, dass der 70-Jährige einst als deutscher Elvis Presley galt und als Halbstarker den Bürgerschreck gab. Um derlei Dinge weiss das Publikum im fast ausverkauften Freiburger Konzerthaus. Kraus hat es von Anfang an auf seiner Seite. Er gibt sich natürlich und nahbar, hält gelegentliche knappe Ansprachen und mimt den jung gebliebenen Rebellen. Er ist der sympathische Typ von nebenan, mit dem man wie gerne mal ein Bier trinken möchte und der Schwarm aller Schwiegermütter.

Die Musik: Wie geschmiert kommen die alten Hits über die Bühne. Bei '''Tutti Frutti'', ''Alle Mädchen wollen küssen'' oder dem unvermeidlichen ''Sugar Baby'' gibt es im Publikum kein Halten. Wenn später die Rock'n'Roll-Kapelle in der begleitenden Bigband aufgeht, dämpft sich die Stimmung zwar etwas ab, aber nach wie vor wird das Feuer entfacht. Die Jeans werden gegen den schicken silbergrauen Anzug ausgetauscht, was altersgerechter scheint. Jetzt gibt es auch mal sanfte Balladen, Lieder im Latin-Touch und Swingendes. Peter Kraus hat sich vom aufmüpfigen Rocker zum braven Entertainer gewandelt. Man nimmt ihm diese Rolle, die den Wandel verdeutlicht, ebenso ab wie den jungen Rebellen.

Set List: Die vor Nostalgie triefenden Hits müssen natürlich sein. Sie haben dank Peter Kraus eine faszinierende Lebendigkeit bewahrt. Alte und neue Lieder interpretiert der Sänger souverän. Erstaunlich, dass er zu Songs von Freddie Mercury und Henry Mancini eigene Texte geschrieben hat. Selbst mancher alte Hit, den er in neuem Gewand präsentiert, hat etwas Frisches. So gestaltet sich das ganze Repertoire recht spannend.

Bühnengebaren: Peter Kraus bewegt sich ganz natürlich auf der Bühne. Er wendet sich immer wieder der Bigband zu, deren Solisten er stets herausstellt. Er nimmt sich dann umstandslos zurück, zeigt keinerlei Stargehabe. Er ist durch und durch sympathisch, bleibt der nette Peter.

Was in Erinnerung bleibt: Die unprätentiöse, perfekte Bühnenshow bleibt in Erinnerung. Die Erkenntnis, dass der deutsche Schlager, wenn er nur richtig präsentiert wird und seinen Mief verliert, nicht zu verstecken braucht. Auch die SWR Bigband, für die Schlagzeuger Guido Jörns passend arrangiert hat, agiert bar allen Jazz-Insidertums und wird allzeit den Songs gerecht.

Das Publikum: Das Publikum ist die Generation, die Peter Kraus gross gemacht hat. Nur wenige Jüngere sind im Konzerthaus auszumachen. Es geht bei allen Liedern mit, erkennt sie, fordert sie regelrecht. Es versteht Peter Kraus' Botschaft, dass der Rock'n'Roll nicht tot zu kriegen ist. Wenn am Schluss stehend geschunkelt und getanzt wird, sind die Gebrechen des Alters vergessen.

Der Höhepunkt: Dass eine besinnliche Ballade zum Höhepunkt wird, ist erstaunlich bei einer perfekten, schnell abgehenden Show. Wenn der Sänger sich in der Zugabe selbst auf der Gitarre begleitet und die Band allmählich einsteigt, summt das Publikum mit. Dieser bewegende Moment vermittelt sich jedem Zuhörer.

Bewertung: Peter Kraus ist nach wir vor zu den Grössen des deutschen Show-Gewerbes zu rechnen. Das Freiburger Konzert, wenn nicht die gesamte Tournee, die in zwei Monaten alle Teile der Republik erfasst, bleibt unvergessen. Selten hat man einen älteren Herrn so fexibel agieren gesehen wie hier. Peter Kraus hat tatsächlich noch etwas zu sagen.
 
 
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